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Angela Merkel spricht über ihre Memoiren, die bewegten Zeiten ihrer Kanzlerschaft und ihre Gedanken zur Politik, DDR, Freiheit und Zukunft. Einblick in ihre persönliche Sicht auf prägende Ereignisse und Entscheidungen.
Published November 26, 2024
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Angela Merkel
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"Ich habe zusammen mit meiner langjährigen Beraterin Beate Baumann ein Buch geschrieben und das war ein Prozess in mehreren Stufen. Ganz am Anfang konnte ich mir gar nicht vorstellen, dass ich mal ein Buch schreibe über meine Kanzlerzeit."
— Angela Merkel • 00:00:42
"Und das war schon so, dass ich den Wunsch hatte, über meine Motive nochmal zu reden und meine Dinge, wie ich dazu gekommen bin. Und dann kam die Corona-Zeit mit nochmal wirklichen Zumutungen. Ich habe das ja auch eine demokratische Zumutung genannt, eine einzige demokratische Zumutung. Und da wurde immer klarer, vielleicht doch ein Buch zu schreiben."
— Angela Merkel • 00:01:04
"Und dann ist klar geworden, mir plötzlich, du hast ja 35 Jahre in der DDR gelebt. Und wenn das Buch jetzt erscheint, 35 Jahre in dem vereinten Deutschland. Und deshalb sind die zwei Teile, die ja im Grunde ein Leben sind, eigentlich das Band, das dieses Buch zusammenhält."
— Angela Merkel • 00:01:36
"Ich konnte jetzt zum ersten Mal, nachdem ich aus dem Kanzleramt ausgeschieden bin, doch nochmal in Ruhe über meine Zeit auch in der DDR nachdenken. Denn von 1990 an hatte ich immer neue Sachen zu erleben, zu lernen. Und diese Rückbesinnung auf das Leben in der DDR war für mich auch sehr spannend und war auch ein sehr interessanter Prozess."
— Angela Merkel • 00:02:22
"Aber ich schreibe ja kein Buch als Historikerin. Also ich habe jetzt nicht alle Akten mir angeschaut, also ich habe mir gar keine Akten angeschaut, sondern ich schreibe Erinnerungen."
— Angela Merkel • 00:03:07
"Ich bin nicht mehr im Amt, ich kann über bestimmte Ereignisse unbefangener sprechen, natürlich immer noch verantwortlich. Da gibt es ja auch eine nachlaufende Verantwortung, aber auf jeden Fall unbefangener."
— Angela Merkel • 00:04:10
"Und ich hatte mir auch vorgenommen, wenn ich so ein Buch schon schreibe, dann soll es auch wenigstens einigermaßen ehrlich sein. Also die Motive, die Haltungen, die Erfahrungen präsentieren, die ich gesammelt habe."
— Angela Merkel • 00:04:21
"Und dann ist klar geworden, mir plötzlich, du hast ja 35 Jahre in der DDR gelebt. Und wenn das Buch jetzt erscheint, 35 Jahre in dem vereinten Deutschland. Und deshalb sind die zwei Teile, die ja im Grunde ein Leben sind, eigentlich das Band, das dieses Buch zusammenhält."
— Angela Merkel • 00:01:36
"Dann dachte ich, oh, wenn man sich die Landkarte anguckt, wir sind da wirklich der Peak hinter China und Russland und dann sind wir eben eine Halbinsel."
— Angela Merkel • 00:12:06
"Also Sie kommen aus der DDR. Haben Sie sich manchmal gefragt, was würden Sie heute machen, wenn die DDR noch bestünde? Ehrlich gesagt nicht. Ich war dann froh. Bringt ja auch nichts."
— Angela Merkel • 00:13:12
"Ich schreibe ja an einer Stelle in dem Buch, dass es vielleicht so ist, dass diese Tristesse auch der DDR-Farben, auch die Geschmacklosigkeit an Materialien, dass das mich vielleicht dazu gebracht hat, jetzt in die Vollen zu greifen."
— Angela Merkel • 00:17:55
"Und heute sind ja die Nachrichtenschnipsel oft sehr kurz. Das heißt, auf der einen Seite hatte ich Hose, Bläser, so, und dann war nur noch die Frage Farbe. Und ansonsten wusste der Mensch, der den Fernseher einschaltete, was er an mir hatte."
— Angela Merkel • 00:18:31
"Ja, ich habe das ja vorher in dem Buch auch dargestellt. Also für mich ist Feminismus nicht verbunden damit, dass Männer völlig ausgegrenzt werden oder dass man sich in seiner Totalkonfrontation befindet. Aber ich habe schon in meinem Leben auch erleben müssen, dass es kein Vorteil ist, Frau zu sein in der Politik."
— Angela Merkel • 00:21:52
"Und deshalb bin ich in der Hinsicht auch immer feministischer geworden."
— Angela Merkel • 00:23:13
"Aber ich glaube, dass ich ein gewisses Rollenmodell vielleicht gewesen bin. Also dass Frauen sich was zugetraut haben, dass Mädchen aufgewachsen sind 16 Jahre lang mit mir als Kanzlerin. Dass es also etwas sehr Normales geworden ist. Und das ist für mich eine Freude."
— Angela Merkel • 00:25:00
"Ich habe mich immer bemüht, ein bodenständiger Mensch zu bleiben. Ich weiß genau, dass es das Allerwichtigste ist, als ich Kanzlerin war. Und ich wollte immer vermeiden, dass sich überhaupt nicht keiner mehr traut, mir irgendwas zu sagen."
— Angela Merkel • 00:26:15
"Aber ich habe deutsche Hausmannskost, mag ich halt gerne. Aber man kann auch sehr bodenständig sein und nicht unbedingt immer Würstchen verlangen."
— Angela Merkel • 00:28:00
"Zeit haben, interessante Menschen kennenlernen und schöne Städte oder interessante Städte kennenlernen. Aber vor allen Dingen immer wieder neue Menschen kennenlernen und Zeit haben. Das war oft nicht der Fall in meinem sehr getakteten Leben als Bundeskanzlerin."
— Angela Merkel • 00:29:17
"Und das Zittern hatte damit zu tun, sicherlich mit dieser Anspannung, aber eben auch, es hat stattgefunden zu einem Zeitpunkt, wo ich schon wusste, dass ich aufhören werde. Und der Körper hat schon so ein bisschen vorweggenommen, dass er wusste, du musst nicht mehr ewig durchhalten."
— Angela Merkel • 00:56:10
"Und ich habe zum Beispiel, als ich Bundestagsabgeordnete im Wahlkreis dort in Stralsund und Rügen war, war Margot Friedländer als Überlebende des Holocaust mit Stralsundern Schülern zusammen. Und da haben hunderte Schüler murksmäuschenstill gesessen und haben einfach einen Menschen erlebt, der noch berichten konnte, was ihm Schreckliches widerfahren ist."
— Angela Merkel • 01:04:13
"Und das ist eine große Gefahr, dass wir leichtfertig werden und Freiheit als gegeben nehmen. Und da mich darum zu kümmern, das kann ich mir auch noch als eine Aufgabe für die nächsten Jahre vorstellen, dass ich da darauf hinwirke, dass man es eben nicht vergisst und immer weiß, wie viel schlechter das Leben sein könnte."
— Angela Merkel • 01:04:38
"Ich glaube jedenfalls, dass diese sehr große Simplifizierung, alles in immer kürzeren und schrilleren Botschaften darzulegen, dass sie dem Leben ja nicht gerecht wird. Sie grenzt ja auch aus. Sie lässt so viel Vielfalt unter den Tisch fallen."
— Angela Merkel • 01:07:00
"Und es braucht die Leute, die alles klar aussprechen. Und es braucht die Leisen, die ihre Meinung leise vortragen. Und jeder muss zur Geltung kommen, sonst ist das keine Demokratie mehr."
— Angela Merkel • 01:07:32
"Und dieser Raum ist für mich die Basis, überhaupt so viel in der Öffentlichkeit auch aufgetreten zu sein. Und den schütze ich."
— Angela Merkel • 01:11:05
"Ja, an der Stelle hatte ich ja gar keine Gewalt darüber, ich habe einfach gezittert. Aber insgesamt ist das natürlich immer ein schwieriger Spagat, das muss man schon sagen."
— Angela Merkel • 01:13:00
"Und schon das war in der Politik viel, weil es so ein Bedürfnis gibt. Alle denken, man muss als omnipräsent erscheinen. Und ich glaube, die Menschen verstehen das schon, dass auch eine Politikerin mal nach Hause muss."
— Angela Merkel • 01:12:40
"Seit meinem Antrittsbesuch bei ihm im Januar 2006 wusste Putin, dass ich Angst vor Hunden hatte, nachdem ich Anfang 1995 in der Uckermark von einem gebissen worden war."
— Angela Merkel • 01:18:00
"Und mir ist diese Art völlig fremd."
— Angela Merkel • 01:19:44
"Ich glaube vielmehr, dass wir hätten ernsthaft da die Abschreckungsseite entwickeln müssen, also militärisch mehr investieren müssen, das 2-Prozent-Ziel schneller erreichen müssen. Das ist mir nicht gelungen. Ich habe zwar nicht dazu bekannt, aber ich hatte ja auch Koalitionspartner. Das ist mir nicht gelungen. Das bedauere ich im Rückblick."
— Angela Merkel • 01:23:25
"Aber die großen Menschheitsprobleme, wie zum Beispiel der Klimawandel, die werden ja nicht von Europa alleine gelöst werden können."
— Angela Merkel • 01:25:00
"Ich finde, dass Gott die Welt, sagen wir mal, im übertragenen Sinn. Er hat es natürlich nicht, wie wir die Schöpfungsgeschichte uns jetzt vorstellen, aber wir haben eine Welt vorgefunden, in der es etwas gibt, was überhalb dieser Welt ist, was Sorge trägt, sage ich jetzt mal, für die Menschen in einer bestimmten Weise."
— Angela Merkel • 01:32:45
"Und das gibt mir viel Ruhe, zu sagen, ich werde Fehler machen. Ich bin damit aber auch nicht vollkommen unmöglich. Ich kann reflektieren und ich glaube, dass das eine gute, ordnende Kraft sein kann."
— Angela Merkel • 01:33:20
"Und ich habe zum Beispiel, als ich Bundestagsabgeordnete im Wahlkreis dort in Stralsund und Rügen war, war Margot Friedländer als Überlebende des Holocaust mit Stralsundern Schülern zusammen. Und da haben hunderte Schüler murksmäuschenstill gesessen und haben einfach einen Menschen erlebt, der noch berichten konnte, was ihm Schreckliches widerfahren ist."
— Angela Merkel • 01:04:13
"Und das ist eine große Gefahr, dass wir leichtfertig werden und Freiheit als gegeben nehmen."
— Angela Merkel • 01:04:38
"Also ich wusste immer stehen, wusste nicht, wo richtig wohin mit den Händen und habe herausgefunden, dass das einfach eine sehr auf den Schwerpunkt konzentrierte Handhaltung ist. Und dann wurde das langsam thematisiert und so ein bisschen mein Markenzeichen."
— Angela Merkel • 01:48:25
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